Projekt

Allgemein

Projekttitel: Krisensimulation für die Zusammenarbeit von Einsatzkräften und Bevölkerung (TEAMWORK)

Projektlaufzeit: Februar 2016 bis Januar 2019

Projektvolumen: 2,1 Mio. Euro

Die Vorbereitung auf Krisenereignisse ist aufwendig und teuer. Moderne Simulationsumgebungen und „Serious Gaming“ eröffnen ganz neue Möglichkeiten. Das Forschungsprojekt TEAMWORK untersucht, wie sich Einsatzkräfte und Bevölkerung in einer virtuellen Umgebung gemeinsam auf Krisenereignisse vorbereiten können. Sie versammeln sich in der TEAMWORK-Community und verfolgen drei Schwerpunkte: die Formalisierung, die Simulation und die Auswertung. Jeder kann sich in allen drei Bereichen passend zu seinen Interessen und Fähigkeiten einbringen und Erkenntnisse für Krisenszenarien gewinnen.


Hintergrund

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forschungsprojekt TEAMWORK verfolgt das Ziel, die Sicherheit der Bevölkerung zu erhöhen, indem Einsatzkräfte und Bevölkerung mit einer neuen Methode auf langanhaltende Krisenereignisse vorbereitet werden. TEAMWORK verwendet ein innovatives Serious Gaming-Konzept, welches verschiedene Szenarien, basierend auf Erfahrungen aus realen Krisenereignissen oder Übungen, in einer virtuellen Umgebung simuliert. Das Elbe-Hochwasser 2013 ist ein Beispiel für komplexe Krisenereignisse, in denen Einsatzkräfte kooperativ kreative Lösungen ergreifen und offen für neue Lösungswege sein müssen, die auf Erkenntnissen aus unterschiedlichen Disziplinen beruhen und in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Experten erarbeitet und beurteilt werden. Zunehmend wird dabei auch das Potenzial der Bevölkerung genutzt: Organisiert in Freiwilligenorganisationen (z.B. Freiwillige Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Hilfsorganisationen) als Fachberater, ungebundene Helfer, Spontanhelfer o.ä. werden Wissen und Erfahrungen aus unterschiedlichen Fach- und Anwendungsbereichen einbezogen. Dabei ist erkennbar, dass Ausbildungsunterstützung für alle Beteiligten erforderlich ist, um
  • die kooperative kreative Entscheidungsfindung der Einsatzkräfte zu trainieren,
  • die Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung zu erhöhen und
  • dabei die Zusammenarbeit zwischen Einsatzkräften und Bevölkerung zu verbessern.
Serious Gaming-Konzepte ermöglichen dabei spielerisches Lernen in einer simulierten Umgebung. Erfahrungen aus realen Krisenereignissen oder Übungen können in Form von Szenarien in vorbereitende Schritte (Training, Planung) ein ießen. Spielerische Lösungen können auf „good practices“ untersucht werden und damit auch im Einsatz unterstützen. TEAMWORK erforscht ein integriertes, spielbasiertes und kreativitätsorientiertes Konzept, das Einsatzkräfte und Bevölkerung auf langanhaltende Krisenereignisse vorbereitet und bei der gemeinsamen Bewältigung dieser Situation unterstützt. Die Projektergebnisse werden Einsatzkräften sowie freiwilligen Helfern zur Verfügung gestellt, um sich gemeinsam auf die Bewältigung neuartiger Problemstellungen in komplexen Krisenereignissen vorzubereiten. Ideen und Lösungsvorschläge aus der Bevölkerung fließen in den gesamten Prozess von der Formalisierung bis zur Auswertung ein und werden von den Einsatzkräften berücksichtigt. Durch die Beteiligung der Bevölkerung werden Einsatzkräfte wesentlich darin unterstützt neue, kreative Lösungen für Krisenszenarien zu finden. Gleichzeitig profitiert die Bevölkerung von den Projektergebnissen, da sowohl die Bürger als auch die Einsatzkräfte durch die intensive Auseinandersetzung mit Krisenereignissen für die Dynamik solcher Situationen weiter sensibilisiert werden. Darüber hinaus werden in Stabsübungen der Übungssteuerung neue Möglichkeiten der Lageabbildung und den übenden Stäben eine verbesserte Übungsnachbesprechung ermöglicht. Im Rahmen der ersten Übungsserie wurde das TEAMWORK-Konzept verfeinert. Im Allgemeinen hat sich die Unterteilung in die aufeinander auufbauenden Bereiche „Szenarioformalisierung“, „Simulationsdurchführung“ und „Simulationsauswertung“ als hilfreich erwiesen. Die Fortentwicklung der TEAMWORK-Teilkonzepte und der damit verbundenen technischen Komponenten sind eingebettet in die kontinuierliche Erhebung und Validierung von Anforderungen sowie eine begleitende Evaluation. Aufbauend auf der Projektidee wird bestimmten Anforderungen eine besondere Bedeutung eingeräumt: dazu zählen Kommunikations- und Kollaborationsmöglichkeiten im Allgemeinen und die Mehrspielerfähigkeit in der Simulation im Besonderen. Besonders wichtig wird für die Simulation auch die möglichst realistische Abbildung von Führungsebenen erachtet. Für die Szenarioformalisierung wurden Studien zum Import von offenen Datenquellen (OpenData), zur Verwendung von Standards und zur moderierten Einbindung einer Community („crowd sourcing“) durchgeführt. Für die Simulationsdurchführung wurde ein Konzept entwickelt, das unabhängig oder angebunden an Stabsübungen funktioniert. Für die Simulationsauswertung wurde bereits eine umfangreiche Methodik geschaffen, die detaillierte Analysen und Nachbesprechungen ermöglicht. Hier wird künftig ein Augenmerk auf aktuelle Entwicklungen im artverwandten Bereich „eSports“ gelegt. Die Kombination der in der ersten Übungsserie untersuchten Einzelthemen erscheint weiterhin vielversprechend und wird in der zweiten Übungsserie erprobt. Dafür wird auch die erste integrierte Version des technischen Systems zur Verfügung stehen.

Das Vorgehen im Projekt



Das Vorgehen im Projekt TEAMWORK kann als Kreislauf aufgefasst werden. Die Formalisierung ermöglicht es, die Szenarioidee eines Initiators in die Simulation zu überführen. Die Auswertung dient dazu, Erkenntnisse aus Simulationsdurchläufen zu gewinnen. Diese stehen anschließend den Teilnehmern und dem Initiator zur Verfügung. Sowohl die Formalisierung als auch die Auswertung sind aktuell aufwändige und kostenintensive Prozesse, die im Projekt durch die Einbindung der Community und die vernetzte Verwendung von Informationstechnik optimiert werden sollen. Alle Daten, die bei der Formalisierung und der Auswertung anfallen, werden zentral gespeichert und stehen damit für spätere Lernzwecke, Schulungen und auch im Einsatz zur Verfügung. Das Projekt wird durch einen Beirat aus allen Bereichen der zivilen Gefahrenabwehr unterstützt. Dadurch wird eine fachlich fundierte Erhebung von Anforderungen ermöglicht. Die Ergebnisse des Projektes werden somit endanwendernah entwickelt und im Rahmen jährlich stattfindender Übungsserien in der Praxis erprobt. Jede Serie erstreckt sich über einen Zeitraum von fünf Monaten und behandelt zunehmend komplexer werdende Anwendungsfälle:
  • Training von Einsatzkräften: Es wird die Verwendung interaktiver Simulationen in Mehrspieler-Simulationsdurchläufen sowie in Stabsübungen betrachtet.
  • Schulung der Bevölkerung: Die allgemeine Bevölkerung wird auf verschiedenen Wegen in die Simulationen eingebunden.
  • Anwendung im Einsatzfall: Die Nutzung der Simulationen im Einsatzfall, insbesondere in langanhaltenden Krisen, wird untersucht.

TEAMWORK-Community

Jeder kann in der TEAMWORK-Community mitmachen und sich passend zu seinen Interessen und Fähigkeiten einbringen. Gemeinsam finden wir heraus, wie „Out of the Box-Denken“, „Crowd Sourcing“ und „Weisheit der Massen“ bei der Vorbereitung auf – und der Bewältigung von Krisen helfen können. Wer dabei sein möchte, erfährt hier alles Details:

mehr...

Formalisierung

Im Team realistische Szenarien entwickeln und in eine virtuelle Umgebung (Simulation) umsetzen.

Wer ist daran beteiligt?

Experten aus der zivilen Gefahrenabwehr und kreative Köpfe für die Detaillierung von Szenarien, Team-Mitglieder mit technischem Sachverstand und Moderatoren für die Strukturierung der Aktivitäten.

Wie sieht die technische Unterstützung aus?

Ein kollaborativer Szenario-Editor dient als Werkzeug für die Bearbeitung der virtuellen Umgebung. Als Grundlage dafür dienen importierte Daten, beispielsweise Geodaten. Eine webbasierte Plattform ermöglicht die Kommunikation und Zusammenarbeit.

mehr...

Simulation

Krisenszenarien zusammen in einer virtuellen Umgebung bewältigen.

Wer ist daran beteiligt?

Jeder kann in Funktionen orientiert an der zivilen Gefahrenabwehr agieren (Einsatzleiter, Abschnittsleiter, Leitstelle etc.). Simulationen können jederzeit entweder unabhängig oder z.B. an Stabsübungen angebunden durchgeführt werden.

Wie sieht die technische Unterstützung aus?

Die Simulationsumgebung basiert auf dem Spiel EMERGENCY. Sie stellt nicht nur visuelle Aspekte dar, sondern bildet im Hintergrund auch Wirkungszusammenhänge ab (Brandausbreitung, Verhalten von Menschen etc.).

mehr...

Auswertung

Gemeinsam Ergebnisse und Lösungswege aus Simulationsdurchläufen reflektieren.

Wer ist daran beteiligt?

Jeder kann sich an der Diskussion beteiligen und aus den eigenen sowie den Aktivitäten der anderen Simulationsteilnehmer lernen. Dies gilt sowohl bei der unabhängigen Verwendung als auch bei der Verwendung in einem Übungskontext.

Wie sieht die technische Unterstützung aus?

Daten aus der Simulation werden automatisiert aufbereitet und innerhalb einer webbasierten Plattform visualisiert (anhand von Zeitstrahlen, Lagefilmen, Diagrammen etc.).

mehr...

Weitere Informationen